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Die Idee für „666 - At Calling Death"

Anfang der neunziger Jahre wurde die Idee für die Filmdokumentation „666-At Calling Death“ (zu sehen auf www.youtube.com) geboren. Claire und Matt Vain sahen sich eine so ziemlich üble Fernsehdokumentation über die Gefährlichkeit von Heavy Metal Musik an, die der Bayrische Rundfunk augenscheinlich in extremer Weise einseitig produzierte. In diesem Film kamen ausschließlich nur ziemlich einseitige Statements von Kirchenleuten, Psychologen und besorgten Eltern vor, die über die schrecklichen Gefahren und tiefen Abgründen erzählten, die von Musikern wie Ozzy Osbourne, AC/DC oder Alice Cooper ausgingen würden. “Die haben einen apokalyptischen Blutsbund mit Satan und seinen schrecklichen Dämonen persönlich geschlossen”, berichtete eine besorgte Mutter, deren Sohn sich dem Heavy Metal Kult verschrieben hatte und nun unter dem anscheinenden Einfluss Satans jeden Sonntagmorgen von irgendeiner teuflischen Konzertveranstaltung volltrunken nach Hause kam. Sogar die Polizei hätte sich für ihren vom rechten christlichen Weg abgekommenen Sohn interessiert, nachdem dieser wohl im Verdacht stand, einen soliden Hühnerstall in der Nachbarschaft angezündet zu haben.




Morgoth: Matt dachte zuerst, die Jungs von Morgoth wären engagierte Aktivisten von Greenpeace oder einer ähnlichen Organisation, die in ihrer Freizeit Politwissenschaften, Soziologie oder Pädagogik studieren würden. Absolut unkomplizierte Jungs aus dem Ruhrgebiet, die man gerne um sich hat und mit denen man auch gerne ein Bierchen zuviel trinken würde. Nur auf der Bühne mutierten eben diese netten Jungs zu echten Deathmetal Monstern, die einem auch noch das letzte Ohrenschmalz aus den verstaubten Lauschern kratzten konnten.


Sepultura war schon zu jener Zeit eine absolute Majorband und so verhielten sich die äußerst sympathischen Jungs aus Südamerika auch. Interessant waren die Aussagen von Max, der in der Tat sehr klug und durchdacht zum Thema Glauben und Religion argumentierte.


Cathedral konnte man nicht wirklich in die Black- und Deathmetalecke stecken, dafür war auch ihre Musik viel zu doomig, auch wenn Shouter Lee einmal für Napalm Death seinen Grunzgesang zum Besten gab. Die Band kam so ziemlich abgefuckt daher und erinnerte eher an eine kiffende Hippiecombo aus den 60er Jahren. Dennoch, Matt und besonders auch Claire, gefiel die Mucke von Cathedral außerordentlich gut.


Atrocity waren schon in „jungen Bandjahren“ anzumerken, dass sie den richtigen Biss besaßen, um zu einer der bekanntesten und vor allem auch zu einer der kontinuierlichsten Bands der deutschen Metal Bundesliga zu werden.


Samael waren äußerst genügsame und zudem sehr auffallend stille Zeitgenossen. Man konnte sich jedoch den Eindruck nicht erwehren, dass die Eidgenossen bei ihren Interviews unter starken Opiumeinfluss standen oder bereits schon gedankenverloren in den apokalyptischen Gärten Satans verweilten. Sie schienen einfach nicht da zu sein, zu sehr abwesend erschienen sie. Dennoch, die Jungs von Samael vertraten insgesamt gesehen sehr dunkle, abgrundtief philosophische und ernsthafte Ansichten, die mit dem damaligen Poser Satanismus nur wenig gemeinsam hatte.


Deicide oder besser gesagt Glen Benton war zu jener Zeit der absolute Medien Star in Sachen kommerziell gelebten Bildzeitungs Satanismus. Er war sozusagen der „Roy Black“ des Black- und Deathmetals, dessen Beruf es einfach war, ein echter Satanist auf der Bühne zu sein. Glenn war in Wirklichkeit ein total lieber Kerl, der vermutlich irgendwo im sonnigen Florida glücklich verheiratet war und mit Kind und Kegel in einem schmucken Einfamilienhaus lebte, um einmal eben ab und zu nach Europa zu düsen, um dort mit einem auf seiner Stirn eingeschweißten Satanskreuz für ein wenig für Unruhe zu sorgen, um genügend Kohle für das nächste Barbecue zu verdienen. Als Matt den amerikanischen Obersatanisten das erste Mal traf, dachte er zunächst, dass dieses gewisse „Etwas“ auf Glens Stirn eventuell von einem heftigen Streit mit seiner Frau herführte, die ihm wieder einmal kräftig eines mit der Bratpfanne überzog. Anyway, Glen gehörte mit Sicherheit zu einem der besten Shouter und Performer auf der Bühne in Sachen Deathmetal. Wer ihn einmal in „echt“ gesehen hat, weiß was Matt damit meinte: Einfach Unvergesslich!




Messiah: vielleicht recht wenige aus der heutigen Black- und Deathmetalgeneration kennen die Schweizer Kultlegende „Messiah“. Die Band gehörte mit Celtic Frost und Coroner zu den Pionieren des schwarzen Genres. Leider hatten sie immer wieder Pech mit ihren Lables, so dass der ganz große Wurf leider nie so richtig zu Stande kam.


Sinister und Gorefest: Ähnlicher Kult war auch Sinister aus Holland, die gemeinsam mit ihren Landsleuten Gorefest über Jahre hinweg ganz Europa mit ihren brutal treibenden und aggressiven Performances in den Wahnsinn trieb. Die Jungs von Gorefest wurden darüber hinaus auch kommerziell recht erfolgreich und Matt erinnerte sich, dass sämtliche Gorefest Konzerte generell ausverkauft waren.


Cannibal Corpes waren wohl so ziemlich zugedichtet beim Interview und wenig erinnerte an Gewaltverherrlichung, Splatterphantasien oder Blutorgien. Dennoch beeindruckten Matt die Liveshows dieser amerikanischen Band, deren professionelle Performance an „Yingwie Malmsteen unter Ecstasy“ erinnerte und deren aggressive und explosionsartige Spielfreude wohl kaum zu überbieten war.


Die Todesanbeter von Unleashed, Grave und Tiamat kamen alle aus dem ruhmreichen Wikingerland. Auch wenn sich deren musikalische Ausrichtungen sehr unterschiedlich darstellten, eines waren ihnen allen drei gemeinsam: ihre im positiven Sinne gemeinte Unbekümmertheit, ihre Lebensfreude und besonders auch ihre recht tolerante und auch manchmal augenzwinkernde oder schon fast scherzhafte Einstellung zur Schwarzmetalszene. Wer zudem alle vier Bands einmal live miterlebte, weiß natürlich, dass jede Minute ihrer Auftritte das Eintrittgeld wert war. Matt mochte ganz besonders die gnadenlos brutale Musik von Grave und er war echt ein Fan von diesen Gotland Freaks.


Ebenfalls beeindruckt war Matt von den englischen Vertretern der Deathmetalszene wie Benediction, Paradise Lost oder Carcass. Für Matts Empfinden ein ganz anderer Musikerschlag, als die eher fröhlich wirkenden blonden Hünen aus dem hohen Norden Europas. Kein Zweifel, sie tranken sehr gerne und sie machten auch keinen Hehl daraus. Obwohl die meiste Zeit von unterschiedlichen Glücklichmachern zugedichtet, behielten sie stets kühlen Kopf bei den Interviews und sie analysierten doch recht gekonnt und fast schon in einer fast intellektuellen scharsinnigen Art und Weise über ihre damaligen Betrachtungen in Sachen Death- und Blackmetal.


Ähnlich natürlich wie auch Chuck Shoulder von Death, der bewiesenermaßen schon damals mit Abstand zu einen der Größten und Berühmtesten der Szene war. Er gehörte auch zu den wenigen Ausnahmeerscheinungen, denen man ein angeborenes Charisma attestieren konnte. Ein echter Star ohne Starallüren war Chuck, der stets bescheiden, fast schon ein wenig introvertiert wirkte, freundlich und „wissend“ war. Besonders seine Fans liebten ihn dafür und es ist leider nur Jammerschade, dass der Himmel ihn schon so früh abkommandierte – aus welchen Gründen auch immer.




Punchent Stench gehörte sicherlich zu den innovativsten und vor allem zu den provokantesten Bands in den 90er Jahren. Vermutlich nahmen sie sich auch selber nicht ganz so richtig ernst und frönten einfach ihren morbiden bisweilen äußerst perversen musikalischen Neigungen. Oder es war vielleicht auch nur ihre Heimatstadt Wien, von der man eh so gerne behauptete, sie wäre wohl die morbideste Metropole der Welt.


Fear Factory: Superfreundlich und überhaupt nicht evil zeigten sich Fear Factory bei ihrem Interview. Im Übrigen eine begnadete Band und letztendlich von ihren musikalischen Ideen kaum zu übertreffen. Ja, sie gehörten ebenfalls zu den wenigen Bands, die herausragend waren und die sich auch stetig weiter entwickelten in ihrem musikalischen Können.


David Vincent von Morbid Angel war zu jener Zeit ebenfalls schon ein echter Big Star. Wo er auftrat, sammelten sich die Fanmassen und neugierige Vertreter der Presse. David gehörte einfach auch schon in seinem Auftreten und in seiner Persönlichkeitsstruktur in die archaische Kategorie des klassischen Alphamännchens. Ob nun Vincent, wie ihm zu jener Zeit heftig vorgeworfen wurde, nun wirklich ultrarechtes Gedankengut vertrat oder seine manchmal so ziemlich provokanten Aussagen zu diesem Thema nur zu PR und Image Zwecken dienten, bleibt einfach einmal dahingestellt. Zumindest waren seine Interviewaussagen in „666- At Calling Death“ moderat, akzeptabel und transparent. Matt bekam nicht unbedingt den Eindruck, sich mit einem Ultrafaschisten zu unterhalten.


Weggefährten

Es gab damals nur eine handvoll treuer Weggefährten, die das Risiko wagten, einen so unbekannten Undergroundfilmer wie Matt Vain in seinen künstlerischen Aktivitäten zu unterstützen. EMP aus Lingen gehörte in erster Linie dazu, deren Mastermind wie Michael, sich besonders für „666-At Calling Death“ einsetzte und den Streifen für eine kleine Fangruppe bekannt machte. Ebenso wie die norddeutschen Mailorderfirmen Malibu aus Hamburg oder Hellion aus Itzehohe, die jahrelang versuchten, Matts Produktionen in ihren Mailordern zu promoten. In der Schweiz war es Witchhunt Records mit Peter Jäger, der ebenfalls viel Promotion für Matts Werke bewerkstelligen konnte. In Österreich war es ein echt steirisches und damals noch winzig kleines Mailorder Unternehmen aus Eisenstadt, dass sich heute zu einer äußerst erfolgreichen Plattenfirmen entwickelt hat: Max und sein böses, dunkles, schwarzes Baby „Napalm Records“.

Im Osten Deutschland, genauer gesagt in Drebkau in der Nähe von Cottbus, hielt Olli und seine Mannen von Morbid Records für Matt die Stellung in Sachen Vertrieb von Undergroundvideos. Matt bemühte sich damals natürlich auch mit größeren und bekannteren Vertriebspartnern zu kooperieren, aber er bekam stets durchweg knallharte und ernüchternde Absagen: „Lohnt nicht; zu wenig Gewinn; zu niedrige Stückzahlen; kein Markt usw.“. Das waren so im Allgemeinen die Hauptgründe für die ablehnende Haltung einiger Vertriebsbosse.




Claire Angelus Nigra

Claire war die Freundin von Matt. Die Beiden lebten eigentlich recht zurückgezogen und besaßen wenige Freunde. Die Beziehung war so ziemlich exzessiv und war gekennzeichnet durch für den Normalbürger abnormen Lebensausschweifungen und Drogenkonsums. Claire starb mit erst 23 Jahren im Jahre 1993.

Claire erlebte im Übrigen kein einziges Release. Matt widmete deshalb den Namen seiner Produktionsfirma „Claire Angelus Nigra“ seiner verstorbenen Lebensgefährtin. Das schlafende Mädchen auf dem Grab im Filmvorspann aller Matt Vain Produktionen sollte in symbolischer Weise Claire darstellen.

Claire Angelus Nigra














Lacrimosa

“Matt, bist du denn total wahnsinnig geworden, bei solchen katastrophalen Wetterbedingungen zu drehen?”, ärgerte sich Claire, als Sie Matt bei den Dreharbeiten zum „Satura“ Video von Lacrimosa (www.youtube.com/ Lacrimosa / Satura) mitten in der Nacht am Film Set besuchen kam. Weil Claire sich schon ein wenig Sorgen machte, denn Matt meinte zu ihr, er würde so gegen Mitternacht nach Hause kommen. Doch weit gefehlt: es war bereits schon nach 03:00 Uhr morgens und das Drehende war noch lange nicht in Sicht. Matt erinnerte sich nur noch zu gut an diese unvorstellbar grausigen Dreharbeiten. Es war so November herum, es war verdammt kalt, es regnete ununterbrochen und der Permanent Niederschlag wechselte immer wieder in dicke Schneeflocken. Ungemütlich, schaurig, der blanke Horror begleitete diese recht aufwendige Produktion in den alten Klosteranlagen des berühmten Kloster Hirsau, das bei Calw im Schwarzwald lag.




Die Verbannten Kinder Evas

Matt erinnerte sich noch sehr gerne zurück an die recht kreativen Dreharbeiten mit dieser genialen österreichischen Darkwaveband aus dem finsteren Wien. Er war ein großer Bewunderer von Richard Lederer, dem Mastermind der Verbannten Kinder Evas. Berühmt geworden war Richard besonders durch sein episch brutales Blackmetalprojekt „Samuning“ und dem eher unbekannteren, aber nicht weniger genialen Electro Darkwave Projekt „Ice Ages“.

In nur zwei Tagen produzierte Matt mit seiner Filmcrew den Kult-Clip „Quod Olim Erat“ (www.youtube.com/Die Verbannten Kinder Evas/Quod Olim Erat).

In derselben Zeit wurde ebenfalls auch das „Nachtaugen“ Video releast, ein in Vaduz/Lichtenstein einzigartig produziertes Livevideo mit „Den Verbannten Kinder Evas“ und „Weltenbrand“, das bis heute noch als nekroromantischer Meilenstein in der damals noch relativ jungen Darkwaveszene darstellte.

Das „Nachtaugen Video“ war in der Tat gelungen gewesen und besonders Matt war sehr zufrieden mit seinem Werk und er war erstaunt darüber gewesen, wie viele „Fans“ schon damals nach Vaduz in das romantisch gelegene mystische Lichtenstein gepilgert waren, nur um „Weltenbrand“ und „Die Verbannten Kinder Evas“ live zu sehen und mitzuerleben.

Unter anderem zu sehen auf www.youtube.com: The Serpent`s Voice von den Verbannten Kinder Evas.




Weltenbrand

Matt war in der Auswahl seiner Videoprojekte in der Regel recht eigenwillig. Nicht wenige Projektangebote lehnte er ab, weil ihm die Musiker, das Lable oder überhaupt die zu verfilmenden Songs nicht passten. Dabei spielten Geld oder Bandstatus für ihn keine Rolle. Matt musste vom Bandkonzept und insbesondere von den Persönlichkeiten, die hinter der Musik standen, restlos überzeugt sein. Erst dann setzte er sich hin, um die Drehbücher zu schreiben. Deshalb fällt es Matt auch heute noch sehr schwer zu entscheiden, welche von ihm produzierte Band eigentlich seine Lieblingsband war. Auf jeden Fall gehörte die aus Lichtenstein stammende Darkwave Formation „Weltenbrand“ zu seinen Favoriten. Nicht umsonst produzierte Matt für Weltenbrand die meisten Clips: „The Death“ (www.youtube.com) , „Das Nachtvolk“ (www.youtube.com) und „Her Posined Mind“ (www.youtube.com) – und das eben schon beschriebene geniale „Nachtaugen“ Live Video.








Dark Reality

Dark Reality gehörte zu jenen Bands, die von ihrem musikalischen Können problemlos bei einem Majorlabel hätten unterkommen können, jedoch damals einfach nicht über das Nötige Fortune verfügten. Matt sah das überdurchschnittlich künstlerische Potenzial dieser Band aus dem tiefen Schwarzwald und entschloss sich einen Clip mit dieser zu jener Zeit völlig unbekannten Dark Reality zu produzieren. Leider kann man diese recht avantgardistisch ambitionierte Produktion nicht auf www.youtube.com sehen.


Exhortation

Als eine absolute Killerproduktion gestaltete sich das Exhortation Video. Diese Power-Trash-Metal Band aus der Schweiz besaß eigentlich alles um ganz groß heraus zu kommen. Eingängige ultraharte rhythmische Songs und einen von seiner Stimmgewalt anmutig brutalen Shouter überzeugten Matt zu Hundert Prozent. Wieder einmal in einer sehr aufwendigen Weise produzierte Matt diesen Clip mit Rittern, Pferden, Schwertkämpfen, Burgfräuleins und einsamen Landschaften, die an unzugänglichen Gebirgswüsten erinnerten.


Azag Thoth

Zugegeben, Matt war nicht unbedingt ein Freund dieses nicht unbedingt harmonischen Musikstyles. Eine explosive Mischung aus Trash, Grind, Punk, Black und Speedmetal prallten da aufeinander, bei der es noch zudem äußerst schwer fiel, eine Art von Melodie zu erkennen. Kurz gesagt, es war ein ultrabrutales, undefinierbares Knochenbrechen und man hätte eigentlich auch problemlos einen „Black und Decker“ Vorschlaghammer in ein Studio schicken können, um eine unterhaltsame CD zu produzieren. Dennoch produzierte Matt diese unheimliche Band, bestehend aus fünf äußerst exzentrisch wirkenden Satanisten, weil ihm die Macher und das Bandkonzept so gut gefielen Matt bekam durch die Dreharbeiten enorme Probleme mit der Presse und den Medien. Zu brutal, zu blutig und zu satanisch empfanden es die Damen und die Herren aus den Redaktionen. Für wahr: bei diesem Clip ging es richtig zur Sache mit Stahlbeil und Kettensäge. Wildgewordene Psychopathen, die gerade aus einer geschlossenen Psychiatrie ausgebrochen waren, überfielen eine gutmütige Dorfdisco irgendwo in der tiefsten Provinz und metzelten dort alles nieder, was in irgend einer Art und Weise nach Discofox aussah. Die kleine Dorfdisco stand im Übrigen nach den Dreharbeiten knöcheltief im Blut und überhaupt war das Inventar nach den Dreharbeiten nicht mehr identifizierbar……

Von diesem Zeitpunkt fingen die Medien an, sich auf Matt „einzuschießen“. Mit Schlagzeilen wie „Matt Vain produziert Satanische Schlachtfeste“ oder „Matt Vain verherrlicht mit seinen Filmen den Satanismus“ hatte der Undergroundregisseur in jener Zeit kein leichtes Leben. Besonders seine fast im selben Zeitraum produzierte Filmdokumentation „Satanic Creeds“, die am 6. Januar 1996 im Schweizer Fernsehen DRS erstausgestrahlt wurde, entfachte einen heftigen Tsunami der Entrüstung braver, christlicher Bürger aus dem deutschsprachigen Raum, die sich wohl in ihrem pseudomoralischen Sicherheitsdenken bedroht fühlten. Matt erhielt mehrer Anzeigen wegen diesem Film und er musste im wahrsten Sinn des Wortes um seine nackte Existenz bangen.


Amon

Die letzte Band aus Matts „Dark Vision Ära“ war Amon. In der Black Metal Szene tummelten sich Mitte der Neunziger Jahre unzählige einschlägige Satanistenbands, von denen nicht wenige den Anspruch stellten, die „Satanischste“ von allen zu sein. Ohne Frage, Bands wie Mayhem, Burzum, Satyricon, Emperor, Darkthrone oder Immortal, die allesamt aus der dunkelsten Ecke Europas, Norwegen, herstammten, waren auch in den Augen ihrer treuen Fans die direkten Nachkommen von Belzebub und Konsorten. Leider weniger beachtet dagegen wurden Black Metal Bands, die eben nicht aus Norwegen kamen, die jedoch von ihrem Image, von ihrem musikalischen Können und von ihren bisweilen provokativ satanischen Textaussagen absolut gleichwertig waren mit ihren Musikerkollegen aus dem hohen Norden. Um nur einige zu nennen waren Impaled Nazarene, Ancient Rites, Blasphemy, Rotting Christ oder später auch Forsth wichtige Vertreter des Black Metal Genres. Ebenfalls gehörte auch AMON aus der braven Schweiz zum ganz engen Kreis dieser sagenumwobenen Schwarzen Szene. AMON war mit Sicherheit die Band gewesen, die in aller Direktheit und Brutalität zu ihren religiösen tiefsatanischen Lebensanschauungen gestanden haben. Matt konnte sich noch gut daran erinnern, als er die Fernsehdokumentation „Satanics“ produzierte, die später auch in einer anderen, jedoch nicht harmloseren Schnittfassung mit dem Titel „Satanic Creeds“ veröffentlicht wurde. Dieser Film beschrieb in sehr persönlichen Bildern über die Lebensansichten und Philosophien der AMON Bandmitglieder Satorius und Dan. Vor allem Satorius war einer der führenden europäischen Repräsentanten der amerikanischen Satansbewegung „The Church of Satan“.

Zurück zu AMON: Der Video Clip zu „Eternal Darkness and Winterstorm“ (zu sehen auf www.youtube.com) wurde in den weitläufigen dunklen Kellergewölben des alten ehrfürchtigen Munôt in Schaffhausen in der Schweiz abgedreht. Die Stimmung bei den aufwendigen Dreharbeiten war äußerst düster und der Produktionsverlauf bekam schon einige recht merkwürdige Wendungen. Denn immer wieder explodierten die leistungsstarken HMI Film Leuchten oder einer der Kameraassistenten fiel in eine nicht genügend abgesicherte Grabkammer und riss sich die Bänder im Kniegelenk. Bei den fulminanten Feuerritualen geriet das Feuer außer Kontrolle und konnte nur mit vier großen Feuerlöschern gelöscht werden. Die Pyroeffekte waren wieder einmal viel zu heftig und die Hauptdarstellerin des Clips versenkte sich bei dieser mächtigen Feuerbrunst ihre hübschen blonden Haare.




Sanguis et Cinis

Mit den äußerst exzentrischen Wiener Gothic Rockern von Sanguis et Cinis produzierte Matt das Homevideo „Das Siegel“. Bis heute kann sich Matt keinen Reim daraus machen, warum diese sehr innovative und sehr professionell arbeitende Band aus der Alpenrepublik nicht zu den ganz Großen geworden sind. Bei dieser Band stimmte einfach alles, egal nun ob ihr Image, ihre Musik oder überhaupt ihre Performance bei Live Auftritten. Matt erinnerte sich noch an die Anfänge von Sanguis et Cinis, als sie niemand so recht für ernst nahm. Da gab es welche, die die Wiener als billigen Lacrimosa Klon abwerteten, andere machten sich lustig über Mastermind Eve wegen seinem provokant femininen Outfit, wie die bunten Röckchen oder die Stöckelschuhe, die er gerne trug oder über Celines angeblich unterdurchschnittliches Stimmorgan. Matt war mit Sanguis et Cinis über Jahre hin weg sehr eng befreundet und eines war sicher: die Gothic Glam Rocker hatten wirklich alles gegeben für ihr künstlerisches Schaffen und mit Recht konnte man behaupten, dass die Wiener ihre Musik 24 Stunden lang am Tag kompromisslos ausgelebt haben, im Gegensatz zu vielen Gothic Poserbands, die Matt ebenfalls kennen lernen durfte und die tagsüber vollkommen normale brave Jungs oder nette Mädchen waren und sich eben dann „verwandelten“, wenn irgendein Konzertauftritt anstand oder sich ein Musikredakteur ankündigte.


Obscenity

Death Metal ist eine reine Geschmackssache. Die Einen mögen es, die Andere eben nicht. Damals in den frühen Neunzigern galt es als unglaublich chic, ein „Deathmetaler“ zu sein und wer etwas auf sich hielt, der hörte eben die Musik von Obituary, Paradise Lost oder Sepultura. Es gab unendlich viele Bands in diesen Bereich und Plattenlabels wie Nuclear Blast, Century Media oder Roadrunner brauchten nur ihre großen Netze in den ergiebigen Fanggründen auszuwerfen, um sich die BESTEN herauszufischen. Matt bekam am Tag bis zu zehn Tapes von bekannteren und unbekannteren Bands, die alle nur eines wollten: einen ungewöhnlichen Videoclip. Matt besaß ein recht ungewöhnliches Auswahlverfahren, das für Außenstehende nicht immer ganz einfach nachvollziehbar war. Die ganz Großen interessierten ihn relativ wenig; Bands, die in den Hochglanzmagazinen ihre publikumswirksamen Medienauftritte hatten, waren ihm zu mediengeil. Er wollte echten Undergroundsound hören und gegebenenfalls auch fördern; einfach das, was ihm persönlich am besten gefiel. Ähnlich war es auch mit Obscenity, eine junge talentierte Deathmetalcombo aus dem hohen Norden Deutschlands. Über drei Jahre dauerte es, bis Matt den ersten Take für das Video „Disgrace over you“ (www.youtube.com) aufnahm. Gemeinsam mit dem zweiten Video „Schattenspiele“ wurden beide Clips auf dem Homevideo „Whipped, Raped….Obscene“ über Morbid Records veröffentlicht.




Forsth

Zu den dunkelsten Kapiteln in Matts Filmschaffen gehörte zweifelsohne die Forsth Produktionen. Im eigentlichen Sinne sehr naiv und äußert unbedarft schlitterte Matt in sein mediales Verderben, denn für die Presse war es ein gefundenes Fressen und das im negativen Sinne, darüber zu berichten. Schon der Anfang der Dreharbeiten stand unter keinem günstigen Stern, den die Black Metaller von Forsth bekamen bei der Einreise nach Deutschland enorme Schwierigkeiten mit dem deutschen Zoll. Grund dafür war das in Deutschland verbotene Waffenarsenal, wie Schlagäxte, Schwerter oder gefährlichen Spießwaffen, die die sympathischen Eidgenossen zu den Dreharbeiten mitbringen wollten. Auch das Outfit missfiel wohl den deutschen Zöllnern, da die Black Metal Band „war-painted“ einreisen wollte. Einen halben Tag lang telefonierten Matt und die Plattenfirma von Forsth mit den Behörden und eine Faxbestätigung nach der anderen ließ unendlich viel wertvolle Zeit verstreichen. Doch letztendlich ging dann doch noch alles glatt und Band und Filmcrew konnten mit den Dreharbeiten beginnen. Matt suchte sich als Drehlocation einen uralten, denkmalgeschützten Friedhof aus, der etwas abgelegen in einem Waldgebiet lag. Für den Laien sei gesagt, dass man für jede Drehlocation eine offizielle Drehgenehmigung benötigt, wenn man eine professionelle Filmproduktion durchführen möchte. Genauso war es auch bei den Forsthvideos. Es war bei dieser Geschichte sogar wesentlich schwieriger gewesen eine offizielle Drehgenehmigung zu bekommen, denn es liegt in der Natur der Sache, dass es wenig Chancen gibt für Friedhöfe und insbesondere für denkmalgeschützte Friedhöfe. Matt, der sämtliche Drehbücher und Storys selber schrieb, musste das Drehbuch vorab prüfen lassen, um auf diesen Friedhof überhaupt produzieren zu dürfen, denn dieser für ihn mystische und äußerst stimmungsvolle Friedhof, erschien ihm ideal zu sein, um die Forsth Story filmisch umzusetzen. Es dauerte erst einmal eine gute Stunde, bis „Splatter“, der Abbruchmeister für besondere Fälle, den gesamten Friedhof unter dicken Kunstnebel gesetzt hatte. Durch das massiv krass-grelle Filmlicht lockte das unheimlich wirkende und gespenstische Szenario natürlich unglaublich viele Neugierige aus den umliegenden Dörfern an, die da wohl glaubten, dass gerade eine bedrohliche UFO Invasion im Gange wäre und ebenso wurde natürlich auch die Presse angelockt. Für manchen unbeteiligten Außenstehenden musste es auch wie eine kriegerische UFO Invasion gewesen sein, denn das, was er dort mit seinen entzündeten Augen auf dem Friedhof sah, passte einfach nicht in ein gut strukturiertes bürgerliches Leben. Kurz nach Beendigung der Dreharbeiten interessierte sich auch ein völlig entsetzter Bürgermeister eines benachbarten Dorfes für die apokalyptischen Geschehnisse in jener verhängnisvollen Oktobernacht. Begleitet von einer Sicherheitsbrigade, brachte der etwas verunsicherte Mann zwei Polizeimannschaftsbusse zu den mysteriösen Dreharbeiten mit, um nach dem Rechten zu schauen. Auslöser für dieses Dreh-Desaster waren zweifelsohne „wieder einmal“ Splatters Sprengkünste, denn der gute Mann montierte „wieder einmal“ zu sorglos mit zu viel Sprengstoff auf dem Friedhofsgelände. Für Splatter war es sinnbildliches Alltagsdenken dass ein echtes Blackmetalvideo kein richtiges Blackmetalvideo war, wenn es nicht rauchte, qualmte oder irgendwie explodierte. Der Mann für Effekte übertrieb diesmal in drastischer Weise, denn er sprengte sprichwörtlich ganze Reihen von Grabsteinen weg. Dazu übersäten ein bis zwei Meter tiefe Krater den Boden. Die Krönung dieses Exzesses bestand darin, dass auch ein altes Knochengerippe durch die verqualmte Luft flog, das dann letztendlich Auslöser war, dass Matt Vain direkt vor Ort als verantwortlicher Produzent und Regisseur verhaftet wurde.

Zu sehen sind die beiden Clips von Forsth, „Horde of Avengers“ und „Wolfshowl in the Moonshinelight“ auf www.youtube.com. Beide Clips erschienen auf dem Video „Helvetic Hymns from Winterfrost.






Mayhem

Zweifelsohne gehörte die Mayhem Produktion zu den interessantesten Werken von Matt Vain. Auch hier gab es einige Schwierigkeiten ganz ungeahnter Art. Mit Tiziana, der Chefin des englischen Kultlables Misanthropy Records wurde Matt sehr schnell einig über eine mögliche Inszenierung einer Live Performance der Norweger im Eastclub in Bischofswerda. Tiziana und Matt verstanden sich recht gut und sie bastelten sogar nach diesem Black Metal Event an einer weiteren Produktion mit Burzum (wobei Varg Vikernes zu jener Zeit schon im Knast saß, jedoch weiterhin fleißig weitermusizierte. Nur kam es bekanntlich nicht mehr dazu, denn Matt stieg nach der Mayhem Produktion aus dem Film Business aus und Tiziana folgte ihm rund drei Jahre später.

Ja, wenn man mit einer solchen sagenumwobenen Kultlegende wie Mayhem zusammen arbeitete, brauchte man sehr starke Nerven. Extra nur für diesen Liveauftritt kam die Band vom weiten Norwegen nach Ostdeutschland oder besser gesagt in das malerisch verträumte Städtchen Bischofswerda in der sächsischen Oberlausitz. An diesem sonnigen Sommertag war es sehr heiß im alten Osten und unglaublich viele Fans warteten ungeduldig auf das satanische „Urbi et Orbi“ der dunkelsten Oberpriester des Black Metal Genres. Für Matt waren bei dieser Produktion das Setzen des Filmlichts und besonders auch die verschiedenen Kamerapositionen sehr wichtig. Noch heute kommt das Video ziemlich düster und apokalyptisch daher, was natürlich auch dem sehr guten Schnitt zu verdanken war. Probleme hatte Matt mit einigen dazu gebuchten Kameramännern, die partout nicht und um nichts auf dieser Welt die Bühnenkamera übernehmen wollten. Denn was sie dort oben erwartete, verlangte viel Überwindung, denn die frisch geschlachteten und abgehäuteten Rinderköpfe, die als rituelles Symbol und attraktive Bühnendekoration dienen sollten, fingen an bestialisch zu stinken bei den Mörderheißen Temperaturen in der Halle. Ein Kameramann fiel aus, weil er wegen dem enorm krassen Verwesungsgeruch auf der Bühne ohnmächtig wurde. Ein anderer Kameramann kotzte auf den Bühnenrand, als er durch seinen Sucher beobachten musste, wie Maniac, der Sänger von Mayhem, einem dieser stinkenden Rinderkopfkadavern einen zärtlichen Zungenkuss gab.

Zu sehen sind die Titel unter anderem unter „Live in Bischofswerda“, „Carnage“, I am the labirynth“, „Chainsaw Gutsfuck“ und „Funeral Fog“ auf www.youtube.com.



Descending into Darkness (Immortal, Rotting Christ, Blasphemy) „Descending into Darkness“ gehörte zu den früheren Vain Produktionen. Es war noch die Zeit, als Claire lebte. Fast gleichzeitig produzierte Matt auch „Master of Death“ mit Impaled Nazarene und Ancient Rites. Er nannte diese beiden Produktionen auch gerne seine „Evil Twins“, weil alle Bands, außer den Belgiern Ancient Rites, Bands von dem französischen Kultlable Osmose waren. Auf Youtube ist das „Descending into Darkness“ Video auch als „Live in Cologne“ eingetragen, denn es wurde 1993 in Köln produziert. Hier entstand auch nach dem Konzert das legendäre 666-Interview mit Immortal. Sicherlich dachte damals niemand daran, dass Immortal ein paar Jahre später die Creme de la Creme des Black Metal werden sollte und dazu noch exklusiv von Nuclear Blast gezeichnet wurde.

Von Blasphemy ist „Ritual Live 93“ auf www.youtube.com zu sehen. Von Immortal ist auf www.youtube.com unter der Bezeichnung „Live in Cologne“ folgende Titel zu sehen: „Forces of Evil“, Unsilent Storms“, Pure Holocaust“, A Sign for the Norse Horde“, The Sun no longer rises“, Abbath Flaming“, Call of the Wintermoon“, „Unholy forces of evil“. Von Rotting Christ sind folgende Songs auf www.youtube.com zu sehen: “The Forest of N`Gai 1994“, „Fgmenth, Thy Gift 1994”, “Feast of the Grand Whore 1994” und “The Mystical Meeting 1994”.








Master of Death (Impaled Nazarene und Ancient Rites)

Dieses Video wurde 1993 in Wertheim produziert, einem kleinen idyllisch gelegenen Städtchen im nordbadischen Teil von Baden Württemberg. Was hier die Filmcrew und besonders die Fans erwartete, war im besten Sinne alle erste Sahne des Black Metal Styles. Wer Impaled Nazarene schon einmal Live gesehen hat, weiß über was man spricht. Die Finnen gehörten damals sicherlich zu den angesagtesten und vor allem zu den aggressivsten Acts in Europa. Bands wie Motorhead, Running Wilds oder Judas Priest waren dagegen nur die netten Kindergartenjungs von nebenan.

Ancient Rites gehörte zu Matts absoluten Lieblingbands. Er stand einfach auf den Heavyblacksound der Jungs aus Belgien um Mastermind Gunther herum und auch nach der Produktion hielt der sehr freundschaftliche Kontakt zwischen Ancient Rites und Matt weiter an.

Von Ancient Rites sind folgende Titel auf www.youtube.com zu sehen: „Crucifixion Justfied“ und „From Beyond the Grave“






Amorphis

Es war Spätherbst 1993, als Matt die Amorphis Clips produzierte. Ein wenig mulmig war es ihm schon zu mute, als er die Jungs aus dem fernen Finnland vom Flughafen abholte, weil er hatte enormen Respekt vor deren ausgefallenen Musik und er wollte einfach sein Bestes geben für die junge Band und deren weiteren Karriere. Die Jungs schliefen bei Matt zu Hause, was vermutlich heute eher unüblich wäre. Für Matt war das ok und er war auch schon daran gewöhnt, denn Bands wie beispielsweise auch Lacrimosa, die sich damals wahrscheinlich schon locker ein eigenes Hotelzimmer hätten leisten können, waren uneingeschränkte Gäste bei Matt. Die Dreharbeiten waren wie üblich wieder einmal ultra brutal hart. In nur drei Tagen sollten zwei einigermaßen professionelle Clips entstehen und das dafür freigegebene Budget reichte letztendlich von vorne bis hinten nicht aus. Aber das verdrängte Matt wie so oft sehr gerne, denn dafür war er ein viel zu manischer Regisseur und eigenwilliger Produzent, der alles gab, um in irgendeiner Form seine geplanten Projekte zu realisieren. Aber vielleicht lag es auch an seinem Handicap, denn Matt ist ja bekannter Weise ein bekennender autistischer Mensch und er setzt sich sehr für Menschen mit dem Asperger Syndrom ein, denn er ist selber ein so genannter „Aspie“.

„Black Winter Day“ ist zu sehen auf www.youtube.com




Matt Vain rechter Rand